Klasse 10 b auf Exkursion in Flossenbürg

Schüler/-innen der RS Obertraubling gedenken der Opfer des NS-Terrors

 

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und bedrückt von den Gedanken an die vielen Menschen, die im Konzentrationslager Flossenbürg durch grausame Zwangsarbeit und Unterernährung zu Tode kamen, stiegen die Schüler der Klasse 10 B der Realschule Obertraubling in den Bus und machten sich auf den Weg zur heutigen Gedenkstätte am gleichnamigen Ort.

Der Fahrt ging eine mehrstündige Vorbereitung durch die Lehrkräfte sowie einen Vertreter von „Arbeit und Leben“, einer Bildungseinrichtung, die mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) kooperiert, voraus. Der DGB war es auch, der die Abschlussklasse zur Teilnahme an der diesjährigen offiziellen Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht an der Gedenkstätte in Flossenbürg einlud.

Bei der Führung durch das Gelände des ehemaligen Lagers und der Besichtigung der Ausstellung konnten die Schüler einen Eindruck von dem unmenschlichen Alltag der Gefangenen und dem Sadismus der SS-Wachmannschaften gewinnen. Bei jedem Wetter, auch in eisiger Kälte, mussten schwerste und gefährliche Arbeiten im Steinbruch verrichtet werden - und das nur mit Hemd, Hose und Holzschuhen bekleidet, sehr wenig Nahrung, krank, ungewaschen und jederzeit den Launen der Kapos und der Wachen ausgeliefert, die bei kleinsten Vergehen und auch grundlos Menschen brutal verprügelten und auch töteten.

Das Mittagessen wurde im inklusiven Café auf dem Gelände der Gedenkstätte eingenommen. Eine Einrichtung, die sehr beeindruckend ein deutliches Zeichen gegen den willkürlichen Terror der Nationalsozialisten setzt, waren es doch neben jüdischen Menschen auch Sinti und Roma, politisch und christlich nicht konforme, „asoziale“ und Menschen mit Behinderung, die der erbarmungslosen Behandlung als „unwerte Leben“ zum Opfer fielen. Heute betreiben Menschen mit Behinderung das Café an dem Ort, an dem die SS früher zu Kino- und Tanzveranstaltungen sowie Konzerten einlud.

Auf der anschließenden Gedenkfeier erinnerten die Schüler an Schicksale einzelner Insassen, an deren Träume und Wünsche in ihrer Jugend und die schwere Zeit nach der Befreiung. Obwohl sie überlebt hatten, konnten sie berufliche, familiäre und persönliche Ziele oft nicht erreichen aufgrund der schweren psychischen und körperlichen Schäden, die sie davongetragen hatten.

„Nie wieder Faschismus!“, „Gott sein Dank leben wir in einer Zeit, in der durch unser Grundgesetz die Demokratie garantiert ist.“ Das war die Erkenntnis nach diesem beeindruckenden und bewegenden Erlebnis. Nun liegt es an jedem einzelnen, unsere rechtsstaatlichen Werte im eigenen Leben, im Sportverein und im Umgang mit Freunden zu vertreten. Denn Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung fangen schon im Kleinen, z. B. mit Bemerkungen zu Vorurteilen gegenüber ausländischen Mitbürgern, an.

Bernd Namislo, RSK